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Meimbressen

Meimbressen vom Mühlenberg

Blick auf Meimbressen

vom Mühlenberg. Im Mittelpunkt die Wehrkirche (Foto: Heidl)

Wohnhaus

Meimbressen ist ein sehr altes Dorf. Sein Name taucht erstmals 906 in einer Urkunde des Klosters Fulda auf. Danach wurde der damals "Meinbrachteshusen" genannte Ort durch den Konradiner Graf Konrad d. Ä. vom Kloster Fulda gegen andere Güter eingetauscht. Der Name wandelte sich unter sächsischem Spracheinfluss allmählich zu Meimbressen. Der heutige Ortskern liegt in einer Senke, durch die sich die Nebelbeeke zieht. Die Wehr-kirche aus dem 13. Jahrhundert liegt in exponierter Lage auf der Hangkante eines Bergsporns und prägt das Ortsbild.

 

Die Wehrkirche

mit ihren starken Mauern

Seit dem 14. Jahrhundert sind die Familien von Gudenberg und Wolff von Gudenberg als Grundherren des Dorfes nachweisbar. Die erstgenannte Familie starb 1539 aus. Die Wölffe von Gudenberg sind bis heute in Meimbressen ansässig. Der Erzbischof von Mainz war im Mittelalter ihr Lehnsherr. Er gab ihnen das Dorf mit Landeshoheit und Gericht zu Lehen; was aus einem Lehnsbrief aus dem Jahre 1423 hervorgeht. Im 16. Jahrhundert setzte sich dann die Territorialherrschaft der Landgrafen von Hessen-Kassel auch in Meimbressen durch. Die Vorrechte der Grundherren wurden dadurch schrittweise eingeschränkt.
Schon im Jahr 1356 hatte auf Grund eines Mainzischen "Schutzjudenprivilegs" die Ansiedelung von Juden durch die Gudenberger begonnen. Seit dieser Zeit existierte wahrscheinlich ununterbrochen eine relativ große Judengemeinde in Meimbressen bis 1933.

 

Kirchenblick

(Foto Heidl)

Im Dreißigjährigen Krieg muss das Dorf mehrfach schwer gelitten haben. In den Jahren 1623-26 wurde das "Feste Haus" der Wölffe von Gudenberg, der heutige Junkernhof, durch den kaiserlichen Feldhauptmann, Graf Tilly, niedergebrannt. Nach dem Krieg, in der Zeit zwischen 1659-67, wurde auf den Grundmauern der zerstörten alten Anlage der heutige Junkernhof neu errichtet.
Um 1740 hatte Meimbressen nahezu 300 Einwohner, darunter 50 Juden. 55 Häuser, drei Mühlen und eine Schule gab es neben den Gemeindehäusern und den Gudenberg`schen Gutsgebäuden in dem damaligen Dorf. Um 1700 wurde auch ein jüdischer Friedhof für Meimbressen und andere auswärtige Judengemeinden angelegt. Er existiert heute noch.
Im Rahmen der emanzipatorischen Gesetzgebungen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielten die Juden Meimbressens ihre ihnen lange vorenthaltene Gleichberechtigung. 1842 wurde eine Synagoge gebaut, in der zwei Jahre später auch eine jüdische Elementarschule Platz fand.

 

Der 700 Jahre alte Judenfriedhof

1933 begann die Verfolgung der Juden durch die NS-Herrschaft. 70 Juden lebten damals noch im Dorf. In Meimbressen hatte die große Mehrheit bis dahin keinen Antisemitismus gekannt. 1938 wurden einen Tag nach der "Reichspogromnacht", auch in Meimbressen, die Synagoge verwüstet, der Friedhof geschändet und die jüdischen Mitbürger drangsaliert. Meist waren die Täter Auswärtige. Nur 23 Juden gelang noch die rechtzeitige Auswanderung. 43 Menschen wurden in Lager verschleppt und ermordet.

Autor: Dr. Eberhard Wolff von Gudenberg, im August 2006